Auf bolivianischer Seite ließen wir das touristische Copacabana erst einmal schnell hinter uns und fuhren an die verschlafene Nordspitze der Halbinsel.
Nach ein paar Tagen am Strand ließen wir uns zu den Inseln Isla de la Luna und Isla del Sol mit einem Fischerboot schippern. So konnten wir der Flotte der Touristenboote, die von Copacabana aus starten entgehen und die Inseln alleine erkunden. Leider war nur der Südteil der Isla del Sol zu besuchen, da der Nordteil bolivientypisch gerade bestreikt wurde.

Der Tempel der Sonnenjungfrauen auf der Isla de la Luna wird auch Mondtempel genannt.

Die Inkatreppe, die durch die Gärten auf der Isla del Sol führt.

Die Fuente del Inca, die Inkaquelle. Angeblich soll man Spanisch, Aymara und Quechua können, wenn man aus den entsprechenden Auslässen trinkt. Wir haben es versucht, aber leider ohne Erfolg. So müssen wir weiterhin mühsam die Spanischvokabeln und Grammatik lernen…

Auch auf der Isla del Sol gibt es Inkaruinen, den Palacio Pilko Kaina oder Sonnentempel. Im Hintergrund sieht man die Isla de la Luna. Die Ruinen bestechen vor allem durch ihre Lage.

Im Ort Yampupata auf der Halbinsel Copacabana , wo wir übernachteten, gab es nur zwei winzige Lädchen. Als Kasse zum Addieren der Preise dienten die Finger der Besitzerin. Dumm nur, dass wir für mehr als 10 Bolivianos einkauften. So dauerte es ein bisschen.

Im Oktober ist Trockenzeit. So war Sport angesagt, um den Wassertank von Sunny wieder zu füllen. Erst musste gepumpt werden und dann das kostbare Nass 200m bergauf getragen werden. Und das auf 3800m Höhe!

Am kleinen Hafen war ab 9 Uhr abends Ruhe - bis 2 Uhr nachts. Dann kamen die Fischer, um auf den See hinaus zu fahren. Der Fang, kleine Fischlein, wurde am Morgen aus den Netzen geholt, um auf den Markt in La Paz zu gelangen. Wir kauften auch ein paar Fischlein. Schmecken tun sie gut, aber vor dem Braten müssen erst einmal aus allen die Innereien herausgedrückt werden.

Am Ufer alte Bekannte: Vogel Nr. 151, ein Andenibis, Plegadis ridgwayi

Vogel Nr. 152, ein Andenblesshuhn, Fulica ardesiaca

Vögel Nr. 153, Andenmöven, Larus serranus

Vom Horca del Inca der Blick auf Copacabana. Der bekannte Strand in Rio de Janeiro ist nach diesem Ort benannt.

Copacabana ist ein Wallfahrtsort. In der großen Kirche steht das Bildnis der wundertätigen Virgen de Copacabana. 1925 wurde sie vom Vatikan heilig gesprochen. Im Gegensatz zu den meisten Virgenes verlässt sie die Kirche nicht, um durch den Ort getragen zu werden.

Hier gibt es eine preisgünstige bolivianische Autoversicherung. Für 10 Bolivianos (ca. 1,25 €) und ein bisschen Blumen- und Girlandenschmuck kann man sein Auto von einem Franziskanerpater segnen lassen, um sich fortan unter dem Schutz der Jungfrau in den bolivianischen Verkehr zu stürzen. Zweimal am Tag reihen sich die Fahrzeuge vor der Kirche auf. Klar, dass wir Sunny auch schützen ließen.

Es war Allerheiligen, Todos los santos. Am 1.11. baut man zu hause Altäre mit Opfergaben und Lieblingsspeisen für die Verstorbenen auf und wartet auf die Ankunft der Seelen. QEPD bedeutet „que en paz descanse“, „möge er in Frieden ruhen“.

Am 2.11. gehen die Familien mit aller Verwandtschaft und großen Essenskörben auf den Friedhof und lagern um und auf den Gräbern. Eine Fernsehreporterin war auch vor Ort und interviewte sogar uns.

Musikanten spielen direkt an den Gräbern auf. Der Hit war „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel.

Die Gräber wurden geschmückt, u.a. mit Brot (Tantawawas) in Form von Menschen, Leitern (um das Ab- und Aufsteigen der Seelen zu erleichtern) und Tieren.

Auch wir wurden mehrfach aufgefordert, doch ein Gebet für die Verstorbenen zu sprechen und das Brot zu teilen. Einige deutsche „Vater unser“ später verließen wir mit einer großen Tüte voll Brot und Kuchen den Friedhof.

Solche schönen Plätze fanden wir am Ufer des Titicacasee zum Entspannen.

In den Dörfern ist oft etwas los.

Auf der Fahrt nach Patapatani, auf einer mit einem Damm verbundenen Insel, hatten wir einen fantastischen Blick auf die 6000er der Cordillera real.

In Patapatani wurden wir vom Dorf mit Musik empfangen und konnten uns einem Tänzchen, umringt von der halben Dorfgemeinschaft, nicht entziehen. Anschließend besichtigten alle in Dreiergruppen staunend unseren Sunny.

Viele Kakteen waren in Blüte.

Neben einem Centro de Salud, dem Gesundheitszentrum, wies dieses Mural eindrücklich auf den Übertragungsweg von Durchfallerkrankungen hin.

Manchmal sieht man Traktoren, aber die Mehrzahl der Felder wir noch mit dieser Methode gepflügt

Die Insel Kala Uta ist ebenfalls noch mit dem Auto erreichbar. Hier stehen am Ufer des Sees viele Chullpas, Grabtürme aus der Vor-Inkazeit.

Auf die nächste Insel, Pariti, kommt man dann nur noch mit dem Boot auf einem Kanal durch den Schilfgürtel aus Totora.

Das Schilf dient unter anderem als Viehfutter.

Pariti war eine Kultstätte der Tiwanaku-Kultur. In der Nähe des heutigen Fußballfeldes wurde genügend eindrucksvolle Keramik gefunden, um ein kleines Museum zu füllen. Vermutlich wartet noch sehr viel mehr in der Erde darauf, ausgegraben zu werden.

Im krassen Gegensatz zu ländlicher Ruhe steht die Großstadt La Paz / El Alto. Auf knapp 4100m, noch auf dem Altiplano und bretteben, liegt die Millionenstadt El Alto, die höchstgelegene Großstadt der Welt in deren Zentrum sonntags ein großer Markt stattfindet.

Statt U-Bahn gibt es ein Netz von schweizer Seilbahnen, was noch im Aufbau ist. Seit unserem letzten Besuch im September 2016 gab es drei weitere Strecken. Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt mit der roten Linie von El Alto hinunter in den Kessel von La Paz. Eine Kessellage wie in Stuttgart, nur viel größer. Im Gegensatz zu Stuttgart liegen die besten und exklusiven Wohnlagen unten, auf 3100m bis 3300m und nicht oben, wie am Killesberg.

Unsere noch in Deutschland aufgezogenen Reifen haben sich auf den vielen Pisten super bewährt und uns keine einzige Panne beschert, mussten jetzt aber doch gegen neue getauscht werden.

Ulrike kommt einfach nicht an den vielen und schönen Murales vorbei.

Der „Hexenmarkt“ in La Paz ist so touristisch, dass man sogar die Lamaföten fotografieren darf. In anderen Orten werden sie von einem Cerberus scharf bewacht, damit die Magie nicht wegfotografiert wird.

Das Innere des Ladens ersetzt Arzt und Apotheke.

Bolivianer bei ihrer zweitliebsten Beschäftigung (nach dem Feiern von Fiestas): dem Demonstrieren. Wie bei den Fiestas wird viel Krach veranstaltet und der Verkehr blockiert.

Nach einer Woche Großstadt zog es uns wieder in die Natur. Zwischenzeitlich will eine Werkstatt versuchen, uns neue Stoßdämpfer aufzutreiben.
Zunächst ging es nach Nordosten in die Höhe, auf den Pass La Cumbre mit 4725m. Von hier führt die Straße hinunter in den Dschungel. Neben der alten Piste mit vielen Kurven wurde eine neue und gute Teerstraße gebaut.

Hier stauen sich die Wolken des feuchten Tieflandes.

Nach einigen km zweigte nach rechts die alte Straße durch die urwaldbewachsenen Berge ab, der „Camino de la muerte“, die berühmt-berüchtigte „Todesstraße“. Hier mussten wir wählen: weiter über die gut ausgebaute und neue Asfaltstrecke oder abbiegen auf die abenteuerliche Death Road.
Im nächsten Blog werden wir euch verraten, wofür wir uns entschieden haben.
Bis dahin: ¡Hasta luego!